- Steuerncheck.net - http://www.steuerncheck.net -

Rahmenkredite – ideal für Existenzgründer, Freiberufler und Selbständige

Rahmenkredit und Ablaufkredit sind ein und dasselbe. Sie bieten insbesondere Freiberuflern und Selbständigen eine zinsgünstige Alternative zum teuren Dispokredit. Umso merkwürdiger daher, dass diese überaus flexible Kreditform hierzulande ein Schattendasein führt.

Freiberuflern und Selbständigen mangelt es oft an Sicherheiten

Freiberufler, Kleingewerbler und Selbständige haben es nicht leicht, bei einem Kreditinstitut ein Darlehen zu erhalten. Denn anders als beispielsweise Arbeitnehmer in unbefristeter Festanstellung haben sie ja keinen Arbeitsvertrag, den sie der Bank als Beweis ihrer grundsätzlichen Liquidität anbieten können. Folglich ist das wirtschaftliche Risiko eines Zahlungsausfalls bei diesen Berufsgruppen deutlich höher als bei einem Festangestellten oder gar einem Beamten. Aus diesem Grund stufen Banken Freiberufler und auch Selbständige meistens als Risikogruppe ein. Die Folge des fehlenden Einkommensnachweises ist, dass die Bonität beider Berufsgruppen von den Banken sehr penibel und meistens auch sehr lange überprüft wird – nicht selten mit dem Ergebnis, dass der Kredit verweigert wird. Besonders betroffen davon, sind angehende Existenzgründer, denn diese können ja der Bank gegenüber noch nicht einmal auf Umsätze verweisen, die sie in den vergangenen Jahren erzielt haben.

Ein Rahmenkredit funktioniert wie ein Dispo – nur ist er deutlich zinsgünstiger

Um temporäre finanzielle Engpässe zu überbrücken, greifen daher insbesondere Freiberufler und Existenzgründer oft auf den bequemen Dispositionskredit zurück. Dabei bietet ein Rahmenkredit deutlich günstigere Konditionen als der Dispo und ist dabei genauso flexibel. Sinnvoll kann ein Rahmenkredit vor allem aus zwei Gründen sein:

Die Voraussetzungen, ob man einen Rahmenkredit gewährt bekommt, differieren allerdings je nach Kreditinstitut ganz erheblich. Nicht jeder Anbieter von Rahmenkrediten besteht beispielsweise auf einer Bonitätsprüfung und nicht jedes Kreditinstitut will einen Schufa-Auszug sehen. Bei einigen Banken muss der Kreditsuchende weder eine zusätzliche Sicherheit noch einen Verwendungszweck nachweisen. Andere Kreditanbieter wollen dagegen einen positiven Schufa-Auszug sowie die letzten beiden Steuerbescheide einsehen und bestehen darüber hinaus entweder auf Einkommensnachweise und/oder (bei Freiberuflern) auf zusätzliche Sicherheiten.

So funktioniert ein Rahmenkredit

Der alternativ auch Abrufdarlehen oder Abrufkredit genannte Rahmenkredit wird von einigen Banken explizit für Selbständige und Freiberufler angeboten. Nach Schätzungen der Stiftung Warentest hat derzeit hierzulande etwa jede zehnte Bank diese Darlehensform in ihrem Portfolio, wobei etwa die Hälfte dieser Banken Rahmenkredite gerne auch an Freiberufler vergibt. Der Rahmenkredit funktioniert in etwa wie ein Dispokredit. Die Bank eröffnet ein Rahmenkreditkonto und vereinbart mit dem Kreditsuchenden einen Kreditrahmen, den dieser jederzeit in Anspruch nehmen kann – aber nicht muss! Bei vielen Banken wird dieser Rahmenkredit unabhängig davon gewährt, ob der Kreditsuchende dort bereits ein Girokonto oder eine Kreditkarte unterhält. Der Kreditrahmen liegt zumeist zwischen 2.500 Euro und 25.000 Euro. Der durchschnittliche Zinssatz beträgt derzeit etwa 3 bis 7 Prozent, ist also deutlich niedriger als bei einem Dispokreditzinssatz. Die DiBa beispielsweise vergibt derzeit Rahmenkredite ohne Bonitätsprüfung für 5,99 Prozent. Das derzeit günstigste Rahmenkreditangebot hat laut dem Stiftung Warentest-Ableger Finanztip derzeit die Volkswagen Bank mit einem Effektivzinssatz von 2,99 Prozent für die ersten zwölf Monate. Nach diesen zwölf Monaten steigt dieser Zinssatz aber urplötzlich auf gesalzene 6,65 Prozent. Die Volkswagen Bank bildet da beileibe keine Ausnahme, denn nach dem ersten Jahr steigen die Zinssätze der meisten Rahmenkreditanbieter geradezu sprunghaft an. Daher lohnt sich ein Rahmenkredit am allermeisten bei einer maximalen Laufzeit von einem Jahr. Wird dieser Zeitraum deutlich überschritten, erweist sich ein Ratenkredit zumeist als zinsgünstiger.

Der Rahmenkredit ist äußerst flexibel

Der Rahmenkredit ist stets zeitlich unbefristet, d.h. es gibt keine feste Laufzeit und die Zinsen werden nach Tagessätzen berechnet. Einen fixen Zinssatz gibt es ebenso wenig wie festgelegte Monatsraten und nur wenige Anbieter verlangen eine bestimmte Mindesttilgung innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Der Sollzins dagegen ist fast immer variabel und wird automatisch an das gültige Zinsniveau angepasst. Wenn also der allgemeine Zinssatz steigt, so steigt damit automatisch auch der Sollzins des Rahmenkredits. Feste Tilgungsraten müssen nur höchst selten bezahlt werden. Höhe und Zeitpunkt der Rückzahlung bleiben stattdessen größtenteils dem Kreditnehmer überlassen. Meistens erwartet das Kreditinstitut eine monatliche Rückzahlung von etwa 2 % der aufgenommenen Darlehenssumme, manche Banken akzeptieren nur Zahlungseingänge ab 50 Euro. Höhe und Zeitpunkt der Rückzahlung hängen folglich hauptsächlich von den jeweiligen Vertragsmodalitäten ab, wobei fast alle Kreditinstitute Sondertilgungen in beliebiger Höhe und zu jedem Zeitpunkt erlauben.

Wer den bewilligten Rahmenkredit nicht beansprucht, zahlt keine Zinsen

Der Kreditnehmer kann sich von dem Rahmenkreditkonto jederzeit und – innerhalb des Kreditrahmens – jede gewünschte Summe auf sein Girokonto überweisen lassen. Er kann also stets exakt die Darlehenssumme in Anspruch nehmen, welche er tatsächlich benötigt. Auch kann der Kreditnehmer das geliehene Geld jederzeit in Teilen oder auch vollständig wieder auf das Rahmenkreditkonto zurückzahlen und auf diese Weise Sollzinsen sparen. Sollte der Rahmenkreditnehmer das Darlehen nicht benötigen, dann fallen bei den meisten Banken auch keine Zinsen an. Die Konditionen von Rahmenkrediten unterscheiden sich allerdings je nach Kreditinstitut erheblich und verändern sich zudem fortlaufend. Wer sich daher für einen Rahmenkreditvertrag interessiert, sollte zunächst tagesaktuelle Vergleichsangebote über Rahmenkredite einholen und dabei auch prüfen, ob sich andere günstige Kredite nicht als sinnvoller erweisen könnten.