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Private Altersvorsorge: Für wen lohnt die Riester und Rürup Rente?

Die gesetzliche Altersvorsorge ist nach über 100 Jahren heutzutage ein Auslaufmodell, da sie in absehbarer Zukunft Neurentnern kaum noch die gleichen Leistungen gewähren kann, wie Altrentnern. Schuld daran ist nicht nur die Wiedervereinigung und ständige, staatliche Entnahmen und Verringerungen der Rentenanlagen, sondern vor allem die starke Überalterung der deutschen Gesellschaft.

Die Riester Rente und die Rürup Rente wurden deswegen als private Vorsorge geschaffen, damit auch im Alter ein gewohnt hoher Lebensstandard zu halten ist, denn auch der Staat hat erkannt, dass an der privaten Altersvorsorge leider kein Weg mehr vorbeigeht, wenn man das Rentensystem zumindest teilweise retten möchte. Zwar konnte man auch bisher für die Rente privat vorsorgen, nur wurde das durch hohe Steuern auf „Privatanlagen“ eher bestraft als gefördert.

Legt man jedoch in eine Riester Rente (vorrangig für Arbeitnehmer, aber auch andere Personen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen) oder Rürup Rente (für diejenigen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen) an, so wird diese Anlage sozusagen als zweckgebundene staatlich gefördert – nicht nur über Zuschüsse, sondern auch über steuerliche Vergünstigungen. Berichte, dass man im Alter auf die Riester Rente und Rürup Rente hohe Sozialabgaben und Steuern zahlen muss, machten die Riester Rente und die Rürup Rente nicht gerade beliebter.

Sowohl die Riester Rente als auch die Rürup Rente erhielten so schnell den Ruf, nur eine staatliche Mogelpackung zu sein – wie auch schon die gesetzliche Rente – nach dem Motto „Heute einzahlen, morgen draufzahlen!“. Dazu kommen teilweise sehr nachteilige Riester und Rürup Verträge, in denen man zwar Jahre spart, aber das Sparguthaben erst einmal nur in die Provisionen der Vermittler fließt.

Das stimmt so nur teilweise, denn sowohl Riester Rente als auch Rürup Rente können sich lohnen – aber nur, wenn man später einmal mehr als die Grundsicherung erhalten wird. Pauschal und vereinfacht gesagt heißt das: Wer jetzt schon weiß, dass er einmal unter der Grundsicherung im Alter liegen wird, für den ist die Riester Rente und die Rürup Rente mit Nachteilen behaftet.

Vereinfacht kann man sich das so grob ausrechnen: Wer ca 45 Jahre in die gesetzliche Rente eingezahlt hat, erhält ca. 67 % seines Nettoeinkommens als Nettorente. Die Grundsicherung entspricht in etwa dem ALG II / Hartz 4 Satz. Sollte die Nettorente unter der Grundsicherung liegen, so zahlt man mit Riester und Rürup Rente drauf, da in diesem Fall hohe Abzüge drohen.

Als Beispiel: Horst verdient 1.000 Euro netto, zahlt 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhält am Ende seines Arbeitslebens somit 670 Euro Nettorente. Sollte die Grundsicherung 800 Euro betragen, würde er hier einen Zuschuss von 130 Euro vom Staat erhalten – hätte er zusätzlich eine Riester Rente von z. B. 150 Euro, so würde diese auf die Nettorente angerechnet werden und er erhält keinen Zuschuss, da er 20 Euro über der Grundsicherung liegt. Damit hätte er ein Leben lang praktisch umsonst geriestert.

Trotz der höheren Rentenbesteuerung, die jährlich steigt, lohnt sich jedoch Riester und Rürup Rente für alle jene, deren Nettorente höchstwahrscheinlich über der Grundsicherung im Alter liegen wird – denn die Rentenbesteuerung heißt nicht, dass auch tatsächlich eine Steuer anfällt! Diese wird nur dann erhoben, wenn der Grundfreibetrag überschritten werden sollte.

Als Beispiel: Wer eine Nettorente von 800 Euro erhält und die Grundsicherung wie im vorherigen Beispiel bei 800 Euro liegen sollte und zusätzlich 150 Euro mit dem Abschluss einer Riesterrente haben sollte, der müsste selbst bei einer Rentenversteuerung von 100 % (ab 2040) nur eine maximale Steuer von 580 Euro auf die jährliche Rente von 11.400 Euro, also ca. 48 Euro pro Monat, zahlen.

In der Praxis ist das jedoch meist noch weniger, da auch im Alter Steuerfreibeträge und Pauschbeträge genutzt und abgezogen werden können, und so das zu versteuernde Einkommen von 11.400 weit tiefer liegen wird – und somit auch die Steuer auf die Rente.

Als Faustformel gilt: Je eher die gesetzliche Rente die Grundsicherung überschreitet und je stärker man den förderungsfähigen Maximalbetrag bei der Riester und der Rürup Rente ausnutzt, desto eher lohnt sich die Riester Rente für Arbeitnehmer und die Rürup Rente für Selbständige.

Wann sich was konkret lohnt: